Die Veste Rohr

Südlich von Baden erhob sich die um das Jahr 1180 erstmals erwähnte Veste (=Burg) Rohr. Sie war wie Rauhenstein, Rauheneck und Scharfeneck Teil des babenbergischen Verteidigungssystems am Eingang des Helenentals und sicherte die uralten Handelswege Richtung Osten vesterohr.
Die Veste Rohr lag – wie die Ausgrabungen des Bundesdenkmalamtes im Jahr 2000 belegen- unmittelbar an der Rohrgasse und war von einem 15 m breiten Graben umgeben, der sich bis in die Nähe des „Steinernen Tisches“ erstreckte. Sie war „Zentrum“ der Herrschaften Rohr und Braiten. Als solches waren in der Burg Verwaltung und Gerichtsbarkeit angesiedelt.
Der erste bekannte Burgherr war Ulrich von Rohr, erstmals 1175 erwähnt. Zu den Herren von Rohr kamen später die Matzonen, ein blutsverwandtes Rittergeschlecht aus der Steiermark. Beide Mannesstamm ausstarben, verkauften die Erben 1354 die Burg an das mächtige Ministerialengeschlecht der Polheimer. 1423 kaufte der Habsburger Herzog Albrecht V. Veste und Herrschaft Rohr um „1300 Pfund Schwarze Münze“. Bereits während der Ungarnkriege im 15. Jahrhundert verfiel die Veste und wird schon 1455 ausdrücklich als die „öd vessten pei Paden genant zum Ror“ genannt.
Das zur Herrschaft gehörige winzige Dorf Rohr, urkundlich Vestenrohr genannt, bestand ursprünglich aus sechs, später aus 16, zuletzt aus zwölf Häusern, alle im Bereich der heutigen Rohrgasse. Die Geschichte der wechselnden Grundherrschaften bis zu deren Auflösung im Jahr 1850 ist im Katalogblatt 27 des Rollettmuseums Baden „Versunkene Veste – vergessenes Dorf“ von Dr.  Rudolf Maurer spannend nachzulesen (Preis: 5 Euro, Bestellung Tel. 02252 / 44939).

  • Die Matzonen

Von den Töchtern Ulrichs von Rohr ist Margaretha von Rauheneck durch Urkunden bezeugt. Die Rohrer sind im Mai 1376 als Inhaber der Veste Nieder-Gaaden feststellbar.
Ulrich, der Testamentsvollstrecker seiner Gemahlin Berta, nennt sich nach Rohr oder Vesten Rohr bei Baden. Dieses Schloss ist vesterohr heute verschwunden. Rollett und Frey lokalisieren es zum sogenannten Karlstisch im ehemaligen Dorfe Rohr, jetzt Stadtgemeinde Baden.
Es gab zwei getrennte, blutsverwandte Linien, die sich nach Rohr nennen, Ulrich und Konrad Matzo. Dass dieser letztere auf der Veste Rohr saß, erweist das Testament seines Verwandten, des Marschalls Berthold von Treun, von ca. 1257.
(Hermann Watzl, „ …in loco, qui nunc ad sanctam crucem vocatur …“, Heiligenkreuzer Verlag, 1987)

  • Lageplan Veste Rohr und Karlstisch

Veste Rohr und Karlstisch befinden sich in einem Gebiet, das im Norden von der Braitnerstrasse, im Westen von der Rohrgasse, im Süden von der Rudolf Zöllnerstrasse und im Osten von der Rohrfeldgasse begrenzt wird. Veste Rohr und Karlstisch liegen unmittelbar neben einem großen Kinderspielplatz.

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